Nordengraben 8, 58636 Iserlohn

ISG-Blockierung

Was ist ISG Blockierung ?

Fast jeder Mensch leidet mindestens einmal in seinem Leben an Rückenschmerzen. Als Ursache wird fast immer ein Bandscheibenvorfall angenommen. Inzwischen wissen wir, dass Schmerzen in der Beckenregion eine harmlose ISG-Blockierung (-Blockade, -Syndrom) mit lokalen Muskelverspannungnen in der angrenzenden LWS und im Gesäß sein können. Diese Schmerzen können in die Leiste, ins Gesäß bis hin zum Fuß ausstrahlen und einen Bandscheibenvorfall vortäuschen.

60-80% der Bevölkerung leiden einmal im Leben an einer ISG-Blockierung (-Blockade, -Syndrom) und somit unter Rückenschmerzen.

Weitere Übergangszonen in denen häufig Blockierungen auftreten sind die Kopfgelenke, der cervicothorakale Übergang (Übergang von der Hals-zur Brustwirbelsäule) und der thorakolumbale Übergang (Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule).

 (-Blockade, -Syndrom) und Therapie mit Triggerpunkt

Music: www.bensound.com – Foto Quelle: TriAS – Verlag
Behandlung einer ISG Blockierung mit Triggerpunkt Akupunktur. Deaktivierung aktiver Muskelverspannungen verantwortlich für eine funktionelle Funktionsstörung im ISG.

Dysfunktion des ISG

Häufig treten die Beschwerden im ISG akut auf, wobei eine – meist kompensierte – Schwächung der Strukturen schon längere Zeit vorhanden sein kann. Beispielsweise kann eine vorwiegend sitzende Tätigkeit eine Verkürzung bzw. Überstreckung bestimmter Muskeln zur Folge haben, was zu einem Ungleichgewicht im ganzen Körper führen kann. Dann braucht es nur noch eine unangemessene Bewegung oder eine große Belastung, beispielsweise durch das Heben schwerer Kisten (auch auf ‘rückenschonende’ Art), und plötzlich treten starke Schmerzen auf.

Durch die Lageverschiebung und Blockierung des ISG werden die Gelenkkapseln schmerzhaft gereizt und die darüber liegende Muskulatur verhärtet sich. Außerdem versuchen die Muskeln die Instabilität und die veränderte Belastung zu kompensieren, was zu Muskelhartspann in Form von Triggerpunkten führt.

Folgende Muskeln sind dabei bevorzugt beteiligt:

  • die unteren Anteile der Rückenstrecker und Rückendreher
  • der Hüftbeuger (Musculus iliopsoas) und der Lendenmuskel (Musculus quadratus lumborum)
  • die vorderen geraden Bauchmuskeln und gelegentlich auch die schrägen Bauchmuskeln
  • Teile der Gesäßmuskulatur wie die Musculi glutaei und der Musculus piriformis und Teile der Hüftgelenksmuskulatur
ISG Blockierung - Triggerpunkt Akupunktur

ISG und die Beckenmuskulatur
Fotoquelle: catfishanimationstudio.com

Gelegentlich drückt die beteiligte Muskulatur als Folge des Hartspanns auf Nerven, so beispielsweise der M. piriformis auf den Nervus ischiadicus (Ischiasnerv), was zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt (vergleichbar einem Lumbago, „Hexenschuss“).

im M. piriformis. Mit rot markiert rechts das Schmerzmuster

Die betroffenen Band- und Haltestrukturen können ebenfalls ihren Spannungszustand wesentlich ändern und so zu einer weiteren Verschlimmerung der Auswirkungen führen. Als Folge der Ausrenkung ist der gesamte untere Rücken sehr instabil, bei gleichzeitig maximal gespannter Muskulatur.

Durch die Fehlstellung oder Blockierung des ISG erfährt auch das Os ilium eine Lageveränderung, die sich auf das Hüftgelenk auswirken kann. Zusammen mit dem durch die Blockierung des ISG entstehenden erhöhten Muskeltonus kann es zu einer funktionellen Bewegungsstörung im Iliosakralgelenk führen.

Diese wechselseitige Belastung kann sich bis zu den Kiefergelenken fortsetzen. Es finden sich dann verspannte, schmerzhafte Muskelgruppen, aber auch eine eventuelle Organbeteiligung.
n Beinlängendifferenz kommen, die zu weiteren Beschwerden führen kann. Da der Organismus bestrebt ist, aufgrund der Haltungs- und Stellreflexe den Kopf gerade zu halten, müssen entsprechende Ausgleichskrümmungen der Wirbelsäule erfolgen. Sie bedingen ungleichmäßige Belastungen der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte im Zick-Zack-Kurs von unten nach oben.

Symptome

Die Symptome, die auf eine Ausrenkung des ISG hindeuten, sind vielfältig:

  • diffuse „Kreuzschmerzen“
  • scharfer Schmerz direkt im ISG. Die Schmerzen können in die Beine, in den Lumbalbereich oder in den Bauch ausstrahlen, was eine Abgrenzung zu Schmerzen, die durch Bandscheiben-, Wirbelprobleme oder Erkrankungen des Abdomens entstehen, erschwert
  • Gefühl des Hinkens oder Klemmens im Hüftgelenk, evtl. Bewegungseinschränkung im Hüftgelenk
  • Gefühl der Instabilität des Beckens und des unteren Rückens
  • Der Schmerz kann durch starkes Vor- oder Rückwärtsbeugen ausgelöst oder verstärkt werden und wird durch leichtes Kippen des Beckens nach hinten meist gelindert
  • langes Verbleiben in einer Körperhaltung, Sitzen, Stehen, Liegen, kann schmerzhaft sein und zu einer muskulären Steifheit führen, die nur langsam wieder gelöst werden kann
  • Liegen auf dem Rücken mit gestreckten Beinen ist unmöglich
  • Schmerzen können im ganzen Beckenbereich, insbesondere auch an den Sitzbeinhöckern auftreten

Durch die Lageveränderung der Knochen und die angespannten Muskeln können auch Blutgefässe und Nerven beeinträchtigt werden, was zu weiteren Beschwerden führt. Beispielsweise kann eine Blockierung im ISG die Lage des Kreuzbeins so verändern, dass über die Nervenaustrittsstellen die vom sacralen Parasympathicus innervierten Organe in Mitleidenschaft gezogen werden (das sind Teile des Colon, die Harnblase, männliche und weibliche Geschlechtsorgane).

Ursachen

Viele Ursachen können die ISG-Symptomatik auslösen:

  • Beckenschiefstand: Aufgrund einer Schieflage des Beckens ergibt sich ein Ungleichgewicht bei der Verteilung des Rumpfgewichtes auf das Becken. Dadurch wird eine der beiden Beckenseiten stärker belastet
  • Hyperflexibilität des Halteapparates: Hier ist das Halte- und Stützgewebe von vornherein nicht stabil genug, um eine größere Belastbarkeit zu gewährleisten (Bindegewebsschwäche)
  • Verheben z.B. durch Heben von zu schweren Gewichten: Ein akutes traumatisches Geschehen. Bei ausreichend großen Gewichten reicht eine einmalige Aktion, um das Gelenk aus seiner Position zu schieben
  • Wiederkehrende unphysiologische Bewegungen im Alltag: Hier findet im Gegensatz zum akuten traumatischen Geschehen eine sukzessive Ermüdung des Gewebes statt, das zu einer zunehmenden Labilität im Gelenk führt
  • Trauma durch Sturz oder andere Formen der Krafteinwirkung mit destabilisierender Wirkung auf das ISG
  • Ins ‘Leere’ treten oder Stolpern bei bereits labilem ISG
  • Spannungen, Fehlstellungen oder Unflexibilität im Bereich der Halswirbelsäule, der Kiefergelenke, des Atlanto-Occipital-Gelenks, anderer Schädelknochen oder der Dura (harte Hirnhaut)
  • Muskuläre Dysbalancen der oben genannten Muskeln
  • Hoher Muskeltonus aufgrund von Stress und nicht ausreichender Entspannung
  • Fehlfunktion, Verspannung oder Lageveränderung der inneren Organe, hier im Besonderen des Dickdarms, der weiblichen Geschlechtsorgane und der Prostata, aber auch Senkungen von Nieren oder Magen
  • Rheumatische, degenerative Gelenkserkrankungen
  • Geburtstraumata
  • Schädeltraumata
  • Psychogene Anspannung durch Angst, Ärger, Stress, Krankheit oder anderen Faktoren
  • Allgemeine Beckensymptomatik aufgrund sexuellen Missbrauchs oder psychischer Traumata

Therapie

Ziel jeder Therapie ist es schnell, schonend und langfristig einen Behandlungserfolg zu erreichen. Die bekannteste Therapie der ISG-Blockierung ist die Chiropraktik. Sie verschafft oftmals Linderung, wofür Patienten dankbar sind. Ich wende sie in meiner Praxis nur vereinzelt an – denn das gestörte Mus­kel­zu­sam­men­spiel wird hierdurch nicht wirk­lich dau­er­haft um­trai­niert. So bleibt die Anfälligkeit für neu­er­liche Schmerzen erhalten. Außerdem kann die Mobilisierung-Manipulation der ISG und LWS bei älteren oder übergewichtigen Patienten unangenehm oder sogar unmöglich sein.

 Triggerpunkt Akupunktur:

Nach Nadelung von bestimmten Punkten teilweise in der tiefen Gesäßmuskulatur, lösen sich FAST BEI ALLEN PATIENTEN die Blockierungen im ISG und in den LWS-Segmenten innerhalb von wenigen Minuten auf. Die dabei ausgelöste unangenehme Zuckungsreaktion lässt nach wenigen Sekunden nach.

Schau dir dieses Video auf www.youtube.com

Der Patient verspürt eine sofortige Linderung der Schmerzen. Die Beweglichkeit in der LWS und in den Hüftgelenken wird deutlich besser. Es reicht nicht nur die lokalen Triggerpunkte zu behandeln, weil bei chronischen Fälle auch andere Muskelgruppen betroffen sind.

Triggerpunkte im M. Glutens maximus.

 

Radiale / fokussierte SWT:
Damit werden schmerzhafte Muskelverhärtungen im Beckenbereich gelöst, insbesondere entlang den Beckenkämmen, um das ISG, an den vorderen Darmbeinstacheln, über das Gesäß, an den Sitzbeinhöckern, an der oberen Schambeinkante, entlang der LWS, BWS und um die Hüftgelenke.

Behandlungserfolge

Bei akuten Fällen reichen in der Regel wenige Sitzungen aus, um die Schmerzen zu beseitigen. Bei chronischen Fällen (wenn die Schmerzen länger als 3 Monate bestehen) sind evtl. weitere Anwendungen erforderlich. Eine wirkliche Heilung und dauerhafte Schmerzfreiheit wird aber nicht von außen, sondern nur über aktives Muskeltraining und Vertiefung des Körperbewusstseins des Patienten erreicht. Man muss die physiologischen Bewegungsmuster neu lernen und die Körperhaltung optimieren. Nach der Therapie wird deshalb ein aktives medizinisches Training der WS- und Beckenstabilisierenden Muskulatur eingeleitet.

Das größte Ziel der Therapie ist es, dass die Patienten Erkenntnisse über ihre Erkrankung gewinnen.

Kontraindikationen

Bei dieser Therapie gelten die allgemeinen Einschränkungen, wie bei der Akupunktur und SWT (z.B. Marcumartherapie, Rheuma, akute Verletzungen, entzündliche Erkrankungen, Schwangerschaft)

Risiken

Bei sachgemäßer Durchführung der Therapie unter Berücksichtigung der o.g. Kontraindikationen, bestehen keine Risiken oder Komplikationen.

Fallbeispiel 1:

Patient: H.V. männlich, 85 Jahre alt

Seit einigen Wochen zunehmend starke Schmerzen in der Beckenregion mit Ausstrahlung in das rechte Bein. Die Schmerzen würden nach wenigen Minuten Sitzen auf unerträglichem Niveau zunehmen. In den letzten Jahren immer  wieder Kreuzschmerzen gehabt.
Sehr unsicheres Gangbild und Fallneigung. Minderung der Gehstrecke. Gefühltes Spannung und Kribbelgefühl in den Füßen. Keine Kraftminderung oder Sensibilitätsstörung  in den unteren Extremitäten feststellbar. Keine Schmerzen im Bereich der LWS. 
Das Röntgenbild zeigt ausser diskreter altersüblicher Verschleißerscheinungen keine Minderung der Höhe der Bandscheibenfächer.
 
Erste Therapie am 30.5.2018: Triggerpunkt Akupunktur im M. piriformis, gluteus minimus und medius, biceps femoris und gastrognemius.
Behandlungsdauer: 20 min
 
Behandlungsergebnis nach 10 minSeit Jahren bin ich noch nie so frei gelaufen. Ich kann es nicht fassen!
 
Weiteres Procedere: Fortsetzung der Therapie für das Kribbel- und Spannungsgefühl in den Füßen.
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