Tennisarm

Tennisarm oder Tennisellenbogen oder Epikondylitis lateralis ist eine häufige orthopädische Erkrankung oft mit einem langen therapieresistenten Verlauf. Die Ursache liegt an wiederholender Überlastung oder dauerhaft falscher Belastung von Hand, Handgelenk oder Ellenbogen im Alltag, Arbeit oder Sport. Die Belastung betrifft Muskeln und Sehnen und führt irgendwann zu einer lokalen Entzündung am äußeren Ellenbogen.

Man kann einen auf Druck und Anspannung schmerzhaften Muskelhartspann ( myofasciale Triggerpunkte ) im Bereich des Ursprungs der Hand- und Fingerstrecker tasten. Dieser Schmerz kann vom äußeren Ellenbogen bis zum Handgelenk oder Finger ausstrahlen.

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, wie Medikamente (NSA), Kortisoninjektion, Bandagen, spezielle krankengymnastische Übungen, physikalische Therapie ( Ultraschall, Iontophorese), radiale und Fokussierte Stosswellentherapie, Blutplasma Injektionen, Taping usw mit mehr oder weniger guten Behandlungserfolgen.

Die Deaktivierung der Triggerpunkte und die Regulierung der Muskel- und Faszienspannung mittels radialer Stosswellentherapie scheint die besten Erfolge zu zeigen.

Aktueller Stand (24.6.2019) der Leitlinien für die Behandlung von Epikondylitis radialis humeri- „Tennisarm“
Deutsche Gesellschaft  für  Orthopädie  und  Orthopädische Chirurgie )

Zusammenfassung:

Konservative Therapie

  • medikamentöse Therapie mit Antiphlogistika kann die akuten Beschwerden lindern. Die Evidenz ist  eingeschränkt.  Gerade  für  eine  kurzzeitige  Besserung  der  Beschwerden (Schmerzlinderung  und  Verbesserung  der  Funktion)  sind  NSARs  hilfreich  (d.h.  für  bis  zu  6 Wochen).  Aufgrund  des  Nebenwirkungsspektrums  bei  oralen  NSARs  kann  eine  lokale Applikation  erfolgen,  welche  laut  der  Studien  einen  positiven  Effekt  auf  die  Schmerzen  (in einem  Zeitraum  bis  zu  4  Wochen)  haben    Es  gibt  aktuell  leider  keine  Studien, welche  die  lokale  und  orale  NSAR-Anwendung  direkt  vergleichen.
  • Die Injektion mit Kortison kann zu einer kurzfristigen Besserung führen. Die Langzeitwirkung ist beschränkt und die Patienten müssen auf potentielle Nebenwirkungen aufgeklärt werden.
  • Für die Injektion von anderen Präparaten ( Eigenblut, Botulinustoxin, Hyaluronsäure, Glycerol Nitrat, homöopathische Präparate ) gibt es keine wissenschaftliche Evidenz.
  • Eine Trainingstherapie mit progressiver Belastung der Handgelenksstrecker sollte durchgeführt werden.
  • Auf eine manuelle Therapie (als alleinige Therapie) sollte verzichtet werden.
  • kann bei therapieresistenter Epikondylopathia radialis humeri angewendet werden. Es überwiegen  Studien,  in  denen  die  Stoßwelle  in  Bezug  auf Schmerz,  Griffstärke  und  in  den  Scores  signifikant  besser  oder  zumindest  gleichwertig  im Vergleich  zu  anderen  Behandlungen    der  sham  Stoßwelle  (d.h.  quasi  dem Spontanverlauf)  abschneidet.  Die  Komplikationsrate  ist  niedrig,  die  häufigsten Komplikationen  sind  vorübergehende  Rötung  (21,1%),  Schmerz  (4,8%)  und  kleinere Hämatome  (3,0%). In  der  überwiegenden  Zahl  der  genannten  Studien  wurden  dreimal  im  Wochenabstand jeweils  2000  Impulse  appliziert.  Radiale  und  fokussierte  Stoßwelle  sind  als  gleichwertig anzusehen.
  • Akupunktur kann bei Tennisarm angewendet werden. Positiver beurteilt  ein  schon  älteres  Review  aus  dem  Jahr  2004  die Wirkung  der    Alle  6  eingeschlossenen  Studien  (Jadad  Qualitäts-Kriterien: hohe  Studienqualität)  vermuteten,  dass  Akupunktur  effektiv  zur  kurzzeitigen Schmerzlinderung  bei  lateraler  Epikondylitis  ist.  Fünf  von  sechs  Studien  zeigten, dass  Akupunktur  effektiver  als  eine  Kontrollbehandlung  sein  könnte.  Daher  schussfolgerten  die Autoren, dass eine  starke  Evidenz  für  kurzfristige  Schmerzlinderung  nach  Akupunktur  bei lateraler  Epikondylitis  gegeben  sei.
  • Strahlentherapie, kann, gemäß der Kriterien der evidenzbasierten Medizin bei Tennisarm nicht empfohlen werden.
  • Epicondylitisbandagen und Unterarmorthesen können als Therapieoption erwogen  werden,  wobei  ein  Wirksamkeitsbeweis
  • Taping ist  eine  Therapieoption,  die  zum  Einsatz  kommen  kann,  deren wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis noch randomisierte-kontrollierte  Studien  bestätigt
  • Elektrotherapie (ET)  sollte  als  alleinige  Therapie  bei  Epicondylopathia humeri  radialis  nicht  angewendet
  • Ultraschall sollte  als  alleinige  Therapie  bei  der  Epicondylopathia  humeri radialis  nicht  eingesetzt

Operative Therapie

Die  Therapie  der  akuten  Epicondylopathia  humeri  radialis  soll  nichtoperativ  erfolgen.  Das  hohe  Selbstheilungspotential  soll  ausgeschöpft werden.
Chirurgische  Interventionen  sollen  nur  Patienten  angeboten  werden, welche  auf  eine  konsequente  konservative  Therapie  nicht angesprochen  haben  und  bei  denen  ein  strukturell-morphologisches Korrelat  objektivierbar  ist.


Literatur

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Do blood growth factors offer additional benefit in refractory lateral epicondylitis? A prospective, randomized pilot trial of dry needling as a stand-alone procedure versus dry needling and autologous conditioned plasma.
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